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Der Hochzeitswalzer – Die perfekte Einheit im Tanz

In Deutschland und Österreich hat der Hochzeitswalzer eine lange Tradition. Er gehört zu den beliebtesten Eröffnungstänzen auf Hochzeiten und beschert Tanzschulen allerorts großen Zulauf, auch wenn er eigentlich gar nicht schwer zu erlernen ist. Im Internet gibt es zum Beispiel zahlreiche Anleitungen zum Selbstlernen. Auch wenn der Hochzeitswalzer ein wenig altbacken wirkt, ist er wie kein anderer Tanz Ausdruck von Einheit und Verbundenheit. Das ist auch der Grund, warum der Paartanz im Dreivierteltakt wohl nie aus der Mode kommen wird.

Ein revolutionärer Tanz

Auf Hochzeiten wird meist der Wiener Walzer getanzt, häufig zu einem Stück von Johann Strauß, etwa dem Donauwalzer oder dem Kaiserwalzer. Aber auch der langsame Walzer hat seinen festen Platz in der Tradition der Hochzeitstänze. Aber woher kommt eigentlich diese Tradition und was verbinden wir heute mit dem Hochzeitswalzer?

In der Zeit der Europäischen Revolutionen entwickelte sich der Walzer zum Gesellschaftstanz. Zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert wurde er zu einem Symbol für Individualismus und Freiheit, ganz im Sinne der Ideale der bürgerlichen Revolutionen. Auch das Eherecht erfuhr in dieser Zeit eine grundlegende Veränderung: 1875 wurde in Deutschland die Zivilehe eingeführt, nach der die Eheschließung nunmehr weltliches und bürgerliches Recht war. Die wirbelnden Walzer-Drehungen waren Ausdruck dieses neuen Freiheitsgefühls, weshalb er vielfach kritisiert und zeitweise sogar verboten wurde.

Auch die griechische Mythologie liefert ihren Beitrag zum Mythos des Hochzeitswalzers. Nach der Platonischen Entstehungsgeschichte der Menschheit waren die Menschen Kugelwesen, bis sie die Götter verärgerten und getrennt wurden. Seither ist der Mensch sein Leben lang auf der Suche nach der einen Hälfte, die ihn ergänzt. Beim Walzer verschmilzt das Paar wieder zur Einheit, seine drehenden Bewegungen ahmen die Vollkommenheit des Kreises nach. Ebenso wie die Eheringe symbolisiert er somit die Vereinigung und Bindung zwischen den Eheleuten, was ihn zum Hochzeitstanz par excellence macht.

Und so tanzt man heute

Es gibt verschiedene Varianten des Walzers als Eröffnungstanz: Entweder ist die Tanzfläche während dieses Tanzes allein dem Brautpaar vorbehalten, sozusagen als Darbietung für die Hochzeitsgesellschaft, oder sie wird schon nach wenigen Takten für die übrigen Hochzeitsgäste freigegeben. Traditionell fordern die Brautleute hierbei zunächst den Schwiegervater bzw. die Schwiegermutter zum Tanz auf, worauf nach und nach die restlichen Familienmitglieder und schließlich die Freunde hinzukommen.

Seinen Namen verdankt der Walzer übrigens dem Wort „walzen“, mit dem die schleifenden Drehschritte beim Tanzen beschrieben werden. Apropos: Die Braut sollte sich gut überlegen, welche Schuhe sie bei dieser Gelegenheit trägt. Unter Umständen kann ein Schuhwechsel angebracht sein, zum Beispiel wenn die Absätze zu hoch oder die Sohle zu glatt ist. Auch sollte der Mann unbedingt den Saum des Brautkleides im Auge behalten, um das Kunstwerk nicht mit einem Fehltritt zu zerstören!