Die Hochzeitstorte – Ein Traum aus Zuckerguss und Marzipan

Ganz egal, wie die Hochzeit gefeiert wird – eine Hochzeitstorte darf auf keinen Fall fehlen! Sie bildet traditionell den krönenden Abschluss des Hochzeitsessens. Dabei ist sie aber nicht nur das kulinarische Sahnehäubchen der Feier, im Laufe der Geschichte sind zudem zahlreiche Bräuche rund um die schönste aller Torten entstanden, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten.

Die Vorfahren der Hochzeitstorte

Im alten Rom gab es keine Hochzeitstorten, wie wir sie heute kennen, sondern Hochzeitskuchen, die mit Mandeln gebacken waren und als Segnung über dem Kopf der Braut zerbröckelt wurden. Auch die Gäste erhielten ihren Teil des Segens, indem sie die heruntergefallenen Stücke des Mandelkuchens aufsammelten und verzehrten.

Mit der Entstehung des Zuckerbäcker-Handwerks in der Neuzeit hielt die Torte Einzug in die Häuser der wohlhabenden Leute. In England wurden die ersten populären Hochzeitstorten übrigens für das Königshaus gebacken, zum Beispiel für die Hochzeit einer Tochter Königin Viktorias im Jahr 1859 oder Prinz Edwards im Jahr 1882.

Wer sich keine Torte leisten konnte, backte für die Hochzeit einen übergroßen Laib Brot – das Hochzeitsbrot. Dieses wurde vor dem Anschnitt vom Pfarrer oder von den Brauteltern gesegnet. Das erste Stück gehörte traditionell der Braut, dass sie jedoch nicht aß, sondern als eine ihrer ersten Taten als Ehefrau zum Ansetzen ihres ersten Brotteigs verwendete. Das zweite Stück wurde von den Brautleuten gemeinsam verzehrt, während der Rest des Hochzeitsbrotes den Gästen vorbehalten war. Je zahlreicher die Esser, desto glücklicher die Ehe, so der Glaube.

Bräuche, kurios oder romantisch?

Der Kuss über dem Tortenturm ist ein Brauch, der ursprünglich aus dem 18./19. Jahrhundert stammt. Damals war es üblich, dass die Hochzeitsgäste selbstgebackene Kuchen mitbrachten, die dann zu einem Turm aufgestapelt wurden. Wenn es dem Brautpaar gelang, sich über den Kuchenturm hinweg zu küssen, ohne diesen umzustoßen, so war ihnen eine glückliche Ehe gewiss.

Die Oberhand in der Ehe wird derjenige haben, der beim Tortenanschnitt die Hand am Messer oben hat. So heißt es zumindest. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, können die Brautleute das Messer aber auch so umfassen, das keiner von beiden die Hand beim Anschnitt oben hat. In jedem Fall sollte das Tortenmesser immer neben der Torte bereitliegen. Der Aberglaube besagt nämlich, dass derjenigen Person ein Unglück widerfahren wird, die dem Brautpaar das Messer für den Anschnitt reicht.

Das Verstecken zweier Kaffebohnen in der Hochzeitstorte – die eine geröstet, die andere grün – sorgt traditionell für Spannung unter den Gästen. Wer die geröstete Bohne bekommt, der wird als nächster in den Stand der Ehe treten, so heißt es. Wer dagegen die ungeröstete Bohne in seinem Tortenstück findet, der wird ewig ledig bleiben. Darüber, welche Bohne nun ein Segen und welche ein Fluch ist, gehen die Meinungen allerdings auseinander!

Eine fünfstöckige Torte symbolisiert traditionell die fünf Lebensabschnitte des Paares. Die Ebenen stehen für: Geburt, Kommunion bzw. Konfirmation, Heirat, Kinderreichtum und Tod. Aber ganz gleich, aus wie vielen Ebenen die Torte besteht – auf gar keinen Fall sollte die Braut ihre Hochzeitstorte selbst backen. Dies ist schließlich Aufgabe der Verwandtschaft oder des Konditors.
Das Einfrieren der obersten Schicht der Hochzeitstorte ist ein Brauch, der immer mehr in Vergessenheit gerät. Traditionell wird die eine Hälfte der eingefrorenen Torte am ersten Hochzeitstag, die andere Hälfte zur Taufe des ersten Kindes gegessen. Wer sich dafür entscheidet, die oberste Schicht seiner Hochzeitstorte einzufrieren, sollte dies dem Konditor mitteilen, damit sie sich auch entsprechend lange hält.

Hauptsache süß!

Bei der Gestaltung von Hochzeitstorten sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Ob als mehrstöckiger Tortenturm, Hochzeitstorten-Etagere oder flache Motivtorte – prinzipiell ist alles möglich.

Die klassische, mehrstöckige Hochzeitstorte besteht üblicherweise aus drei oder fünf Schichten, die mit Zuckerguss überzogen werden, um ihr die nötige Standfestigkeit zu verleihen. Zusätzlich werden diese Torten meist mit symbolträchtigen Figuren wie Braut und Bräutigam, Herzen, Rosen, Tauben oder auch Monogrammen dekoriert.

Der Vorteil einer Hochzeitstorten-Etagere: Man kann Tortenstücke in vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen darauf platzieren. Auch kann hier ganz leicht nachgelegt werden, sodass jeder Gast so viel essen kann, wie er möchte. Der entscheidende Nachteil der Etageren-Variante: Auf das traditionelle Anschneiden der Torte muss hier leider verzichtet werden.

Bei einem begrenzten Hochzeitsbudget bietet sich eine flache Torte an. Das muss aber noch lange nicht heißen, dass sie weniger hermacht als jede andere Hochzeitstorte auch. So lassen sich zum Beispiel auch hier schöne Motive gestalten, zum Beispiel ein großes Erdbeer-Herz oder ineinander verschlungene Marzipan-Ringe.

Marzipan ist ohnehin eine unverzichtbare Zutat der Hochzeitstorte! Marzipan gilt als die edelste aller Zutaten, da es aus Zucker, Mandeln und Rosenöl hergestellt wird, die früher sehr kostbar und somit seit jeher ein Symbol für Wohlstand waren. Hinzu kommt eine weitere symbolische Bedeutung des Marzipans: Während der süße Zucker und die bitteren Mandeln für die Höhen und Tiefen im Leben stehen, symbolisiert das Rosenöl die Liebe, die das Brautpaar in guten wie in schlechten Zeiten leiten wird.