Junggesellenabschied

Der Junggesellenabschied – Vom Partymarathon bis zum Outdoor-Wochenende

Den Junggesellenabschied tritt heute in unzähligen Facetten auf. Vom gemütlichen Spieleabend zu Hause über einen Tagesausflug ins Grüne bis zum alkoholgeschwängerten Besuch eines Strip-Clubs ist alles möglich. Doch woher stammt der Brauch, die letzten Tage des Junggesellen zu zelebrieren? Aus dem alten Griechenland ist tradiert, dass die Spartaner bereits vor über 2500 Jahren so etwas wie einen Junggesellenabschied begangen haben. Dort war es Brauch, dass die Freunde des zukünftig Verheirateten ein Fest organisierten, auf dem der Bräutigam die letzte Gelegenheit bekam, ausgelassen und ohne Eheweib zu feiern.

Diese alte Tradition wird in der Moderne in der Hinsicht fortgeführt, als das der Junggesellenabschied (JGA) immer noch von den besten Freunden organisiert, mitunter sogar bis mehrere Monate vor Durchführung minutiös geplant und selbstverständlich bezahlt wird. Die Emanzipation hat glücklicherweise dazu geführt, dass inzwischen auch Frauen Junggesellinnenabschiede feiern.

Die letzten Tage in Freiheit

Im englischsprachigen Raum (USA, Großbritannien und Australien) wird die sogenannte stag party für den Bräutigam und die hen party für die Braut bereits seit vielen Jahren wenige Wochen vor der Trauung abgehalten. Ursprünglich wurden dabei die männlichen bzw. weiblichen Mitglieder der zu vereinigenden Familien eingeladen. Auf diesen Feiern wurde sich festlich gekleidet, reich getafelt, auch Reden wurden geschwungen. Diese halbformellen Veranstaltungen dienten dazu, zu überprüfen, ob sich die Vermählenden in den ehelichen Pflichten auskennen.
Anfang der 1990er Jahre kam dieser Brauch aus der Mode. So wandelte sich die Verabschiedung durch die Familien zur Verabschiedung durch die Freunde. Lediglich in den USA wird diese Tradition noch als bridal shower gepflegt. Der neue Typus des Junggesellenabschiedes hat in der Regel drei signifikante Merkmale: hoher Alkoholkonsum, sexueller Anspielungsreichtum und eine rein männliche bzw. weibliche Teilnehmerschaft. Den JGA gibt es in Mitteleuropa als Hochzeitsbrauch noch nicht besonders lange, hier gilt vor allem der traditionelle Polterabend als „Letzte Nacht vor der Hochzeit“. Inzwischen werden sowohl Polterabende als auch Junggesellenabschiede organisiert.

Ein exemplarischer Junggesellenabschied

In deutschen Fußgängerpassagen und Vergnügungsvierteln erkennt man allwöchentlich an Freitagen oder Samstagen den Tross eines Junggesellenabschieds sofort: Beim klassischen JGA wird der Junggeselle oder die Junggesellin mit Hilfe eines Bauchladens in den Mittelpunkt gerückt. Mit dem Verkauf von Alkoholika, Kondomen oder Süßigkeiten versuchen sie, einen Gewinn für die Partynacht zu erwirtschaften. Als Erkennungszeichen tragen die meisten Gruppen außerdem themengebundene T-Shirts. Insgesamt geht es darum, die Gruppe durch kleinere Aufgaben, die meist darauf abzielen, den Junggesellen zu blamieren, bei Laune zu halten. Der Abend setzt sich zumeist in noblen Karossen wie Stretchlimousine oder Hummer fort, die die Feiernden vor das letzte Lokal der Nacht kutschieren.
Mittlerweile hat auch die Wirtschaft die Junggesellenabschiede für sich entdeckt. So gibt es nun auch in Deutschland Agenturen, die die Planung des JGA übernehmen und ganze Programme in andere Metropolen organisieren. Besonders beliebt sind Städtereisen nach Berlin, Amsterdam oder Prag.

Alternative JGAs für jeden Typ

Der Charakter eines Junggesellenabschiedes sollte zu dem des Junggesellen passen. Vor allem er ist es, der Spaß an seinem letzten Abend in Freiheit haben sollte. Ausgelassene Feierei ist nicht jedermanns Sache. Für ruhigere Gemüter empfiehlt es sich deshalb, einen sanften Ton beim Junggesellenabschied anzuschlagen, den man mit einem echten Männerabend mit Gesellschaftsspielen oder Konsolen-Games oder den Besuchs eines edlen Clubs mit dazugehörigen Cuba-Zigarren und Singe-Malt-Whiskeys angenehm bewerkstelligen kann. Zockerfreunde im Smoking fühlen sich im Spielkasino pudelwohl.
Auch die Damen sind nicht auf einen Partymarathon beschränkt. Wellness heißt das Zauberwort. Organisieren Sie für Ihre beste Freundin ein ganzes Wochenende in der Wellness-Oase und lassen Sie es sich bei Massage, Sekt und Sauna gutgehen. Oder packen Sie die liebsten Freundinnen und Proviant ein und fahren Sie in die Berge.
Für die Sportlichen unter den Junggesellen und Junggesellinnen organisieren die Kumpels oder Girls ein Aktivprogramm. Auch hier gibt es unzählige Möglichkeiten, den fast Vermählten ein unvergessliches Erlebnis zu bereiten. So könnte der Abend mit Paintball, Quad- oder Go-Kart-Fahren beginnen und mit einer süffigen Kneipentour enden. Oder Sie schippern den ganzen Tag mit einem Floß (und Bier) über die hiesigen Gewässer. Spitzensportler freuen sich mit Sicherheit über einen Bungee- oder Fallschirmsprung oder ein ganzes Outdoor-Wochenende in der Wildnis mit Rafting oder Canyoning mit abendlichem Umtrunk in der einsamen Hütte.
Letztlich lassen sich mit ein wenig Fantasie in der Planung unvergessliche Erlebnisse im Gedächtnis aller JGA-Teilnehmer verankern.

 


Bild: © Valery Osipov