Brautkleidkauf

Kleiner Shopping-Guide für Braut und Begleiter

Ein Brautkleid zu kaufen ist ein echtes Event. Und zwar nicht nur für die Braut, sondern auch die Menschen, die sie dabeibegleiten dürfen. Wir haben uns mit Stil- und Ettikettecoach Christine Launert unterhalten, welche Verhaltensregeln es für die Begleiter gibt und was die Braut selbst tun kann, damit es bei einem für sie durch und durch positiven Einkaufserlebnis bleibt:

HOCHZEIT: So ein Brautkleidkauf ist ja nicht nur für die Braut, sondern auch für deren Begleitung eine ganz schön aufregende Sache. Trotzdem steht die Braut im Mittelpunkt. Worauf sollten die Begleiter also achten?

Christine Launert: Erstens: Sprechen Sie schon vor dem Besuch des ersten Brautmodengeschäfts mit der Braut über ihre Vorstellungen zum Stil der Hochzeit und ihres Kleides. Zweitens: Lassen Sie die Braut in jedem Kleid erst in Ruhe auf sich wirken und halten Sie sich mit der eigenen Meinung zunächst zurück. Fragen Sie zuerst die Braut, wie sie sich in dem Kleid fühlt. Beobachten Sie ihre Körpersprache bei verschiedenen Kleidern. Wie aufrecht geht und steht sie? Strahlen ihre Augen? Lächelt sie sich spontan im Spiegel an und betrachtet verliebt ihr Spiegelbild? Drittens: Ihr persönlicher Geschmack steht nicht im Vordergrund- Sie sind nur die Begleitung! Der gewünschte Stil der Braut ist ausschlaggebend und wie sie in einer Robe wirkt. Viertens: Betrachten Sie die Braut in jedem Kleid aus verschiedenen Perspektiven: von nah, aus der Distanz, von vorne, von hinten.Wie bewegt sie sich in der Robe? Fragen Sie sich selbst, ob Sie mehr vom Kleid an sich beeindruckt sind oder ob tatsächlich die Braut in diesem Kleid grandios aussieht.

HOCHZEIT: Irgendwie ist es ja auch eine Gratwanderung: Man möchte als Begleitung natürlich nicht zuviel Einfluss nehmen und sich neutral verhalten, ist es der Braut aber sicherlich auch schuldig, eine ehrliche Meinung zu äußern. Wie schafft man den Spagat?

Christine Launert: Es ist tatsächlich so, dass die Worte, die in diesem hochemotionalen Moment von Begleitern gesagt werden, für eine Braut sehr bedeutsam sind, oftmals wirklich tief gehen und lange erinnert werden. Man sollte seine Meinung deshalb schon wahrheitsgemäß, aber zugleich diplomatisch und aufbauend sagen. Rücken Sie Positives in den Vordergrund, beschreiben Sie die unterschiedliche Wirkung der Braut in verschiedenen Kleidern und betonen Sie dabei, dass es nur Ihre persönliche Wahrnehmung ist.

HOCHZEIT: Und wenn man ein Kleid wirklich als ganz daneben empfindet?

Christine Launert: Nicht alles Negative, das einem auffällt, muss auch in Worte gefasst werden – Schweigen kann manchmal vielsagender sein! Falls in Ihren Augen also ein Kleid gar nicht geht, ist es am diplomatischsten, wenn Sie die Aufmerksamkeit einfach auf ein anderes, für die Braut passenderes Kleid lenken.

HOCHZEIT: Am Ende entscheidet ja sowieso die Braut …

Christine Launert: Ganz richtig! Es ist wirklich wichtig, auch als Begleitung die letzte Entscheidung auf jeden Fall der Braut zu überlassen. Das bedeutet aber auch, dass man sich von der Braut nicht zu einer persönlichen Entscheidung drängen lassen darf!

HOCHZEIT: Wen raten Sie denn überhaupt zum Brautkleidkauf mitzunehmen?

Christine Launert: Als Stilberaterin antworte ich: im Idealfall einen Menschen, der mir gegenüber offen und ehrlich ist, der ein echtes Interesse daran hat, mich als wunderschöne Braut an diesem Tag zu sehen, der kein in Granit gemeißeltes Bild von mir hat, sondern auch offen ist, neue Seiten an mir zu entdecken und der erwiesenermaßen über ein Händchen für Stil, Geschmack und Mode verfügt. Als Hochzeitsberaterin und Mensch antworte ich: Der Brautkleid- Kauf ist einer der schönsten, emotionalstenund aufregendsten Momente bei der Vorbereitung der Hochzeit. An diese Stunden erinnern wir Frauen uns auch nach Jahren oftnoch genauso intensiv wie an die Hochzeit selbst. Nehmen Sie deshalb eine Person mit, die für Sie in Ihrem Leben eine bedeutende Rolle spielt, jemanden, der ein wichtiger Lebensbegleiter für Sie ist.

HOCHZEIT: Bestimmte Personen (vielleicht Mutter, Schwester oder beste Freundin) erwarten ja vielleicht sogar, dass die Braut sie zum Brautkleidkauf mitnimmt. Wäre es denn sehr unhöflich, wenn sich eine Braut entscheidet, doch ganz alleineshoppen zu gehen?

Christine Launert: Nein, denn mit dem Argument, dass sie alle auf dem Fest überraschen möchte, nimmt sie auch diesen Personen den Wind aus den Segeln.

HOCHZEIT: Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Es ist also wahrscheinlich, dass es viele Meinungen gibt, wenn eine Braut viele Personen zum Brautkleidkauf mitnimmt. Was empfehlen Sie Bräuten, die vor lauter unterschiedlicher Meinungen gar nicht mehr wissen, was sie eigentlich tun sollen?

Christine Launert: Am besten wäre es, immer nur eine Begleitperson mitzunehmen. Und fragen Sie insgesamt nicht mehr als zwei bis drei Personen. Das Brautkleid ist eines der persönlichsten Kleidungsstücke in unserem Leben. Da sollte die Entscheidung auf jeden Fall bei jedem selbst, ausschließlich bei der Braut, liegen!

HOCHZEIT: Manche Brautpaare kaufen Brautkleid und Hochzeitsanzug ja gemeinsam. Auch da könnte es ja theoretisch passieren, dass man sich nicht gleich auf einen Look einigt. Was empfehlen Sie, damit der Outfitkauf trotzdem zum schönen Erlebnis – und nicht womöglich zum Streitfall- wird?

Christine Launert: Ich empfehle, schon vor dem ersten Besuch eines Geschäfts sich eingehend Gedanken über den gewünschten Stil der Hochzeit zu machen, gemeinsam Hochzeitszeitschriften und Prospekte anzuschauen, Hochzeitsmessen zu besuchen und sich gegenseitig zu fragen, was der Partner wünscht. Eine gemeinsame Typ- und Stilberatung vorab, in der auch diese Aspekte umfassend besprochen werden, wäre natürlich ideal. Vorbereitung ist alles! Und wenn der gemeinsame Einkauf dann ansteht, gelten auch für Braut und Bräutigam dieselben eingangs aufgeführten Regeln wie für die Shopping-Begleiter.

HOCHZEIT: Wie ist das eigentlich mit den Brautjungfern? Kaufen auch diese ihre Outfits gemeinsam mit der Braut? Und soll man das gleich beim Brautkleidkauf tun?

Christine Launert: Das könnte die Braut und auch die Begleitpersonen schnell überfordern. Es ist also besser, die Outfits für die Brautjungfern lieber nach dem Brautkleid zu kaufen. Das Wichtigste dabei ist, dass sie farblich zum Brautoutfit passen. Bei einem weißen Brautkleid ist meist die Farbe des Brautstraußes ausschlaggebend.

HOCHZEIT: Wer bezahlt die Kleider der Brautjungfern eigentlich?

Christine Launert: Dafür gibt es keine klare Regel. Wenn das Brautpaar Wert auf ein ganz bestimmtes Outfit legt, empfehle ich, dieses den Brautjungfern auch zu bezahlen. Es spricht aber auch nichts dagegen, wenn die Brautjungfern anbieten, die Kosten zu übernehmen, falls sie finanziell besser ausgestattet sind als das Brautpaar – ganz nach dem Motto: „Ich wollte mir sowieso bald ein langes Kleid anschaffen …“ Dann könnte das Hochzeitspaar nur die farblich abgestimmten Accessoires übernehmen.

HOCHZEIT: Zurück zur Braut: Worauf sollte eine Braut bei der Entscheidung für ihr Traumkleid überhaupt hören?

Christine Launert: Vor allem auf ihr eigenes Wohlgefühl. Und vielleicht auch noch darauf, was ihrer Ansicht nach ihr Herzallerliebster dazu sagen würde.

 

Dieser Artikel wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Magazin HOCHZEIT – www.hochzeit-magazin.net

 

‚HOCHZEIT‘ führte das Interview mit Christine Launert – Beraterin und Trainerin für Image, Stil, Soft Skills, Moderne Umgangsformen und Marketing


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