Trauzeugen – ein ehrenvolles Amt

Der Brauch, Trauzeugen zu benennen, hat eine lange Tradition. Bis 1998 war eine Heirat ohne Trauzeugen in Deutschland gar nicht möglich. Seinen historischen Ursprung soll dieser Brauch im Mittelalter haben: Die Kirchenbücher, in die Eheschließungen eingetragen wurden, waren keine allzu verlässliche Quelle; sie wurden oftmals bei Bränden und in Kriegswirren vernichtet. Aus diesem Grund waren Trauzeugen damals so wichtig, denn sie konnten im Streitfall das Eheversprechen bezeugen. Daher rührt auch der bis heute übliche Brauch, dass Braut und Bräutigam jeweils einen Trauzeugen benennen: So hatte jeder Ehepartner im Zweifel später einen Zeugen auf seiner Seite, sollte sich der jeweils andere seiner ehelichen Verantwortung entziehen wollen.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein hatte der Staat mit der Eheschließung nichts zu tun. Eine Heirat war eine rein kirchliche Angelegenheit, und so war es übrigens Angehörigen von Freikirchen und anderen Dissidenten bis dahin gar nicht möglich, eine Ehe einzugehen! Im Deutschen Reich wurde die zivile Ehe 1875 mit dem „Gesetz über die Beurkundung des Personenstandes und die Eheschließung“ eingeführt. Hier heißt es in § 1:

Die Beurkundung der Geburten, Heirathen und Sterbefälle erfolgt ausschließlich durch die vom Staate bestellten Standesbeamten mittels Eintragung in die dazu bestimmten Register.“

Die Verpflichtung, Trauzeugen zu benennen, ist in § 52 formuliert („Die Eheschließung erfolgt in Gegenwart von zwei Zeugen […]“) und galt bis zum 1. Juli 1998. Seither heißt es in § 1312 des Bürgerlichen Gesetzbuches:

„Der Standesbeamte soll bei der Eheschließung die Eheschließenden einzeln befragen, ob sie die Ehe miteinander eingehen wollen, und, nachdem die Eheschließenden diese Frage bejaht haben, aussprechen, dass sie nunmehr kraft Gesetzes rechtmäßig verbundene Eheleute sind. Die Eheschließung kann in Gegenwart von einem oder zwei Zeugen erfolgen, sofern die Eheschließenden dies wünschen.“

Mit anderen Worten: Heutzutage könnt ihr bei eurer standesamtlichen Trauung auf Trauzeugen verzichten. Gleiches gilt für die Trauung in einer evangelischen Kirche. Lediglich bei einer katholischen Trauung sind zwei Trauzeugen nach wie vor unverzichtbar.

Gesetzeslage hin oder her: Der Brauch, Trauzeugen zu benennen, hat einfach einen besonderen Reiz. Es ist eine tolle Möglichkeit für euch, Menschen, denen ihr euch sehr nahe fühlt, eure Verbundenheit auszudrücken, diese Verbundenheit öffentlich zu dokumentieren und so sicher auch zu vertiefen. Zusätzlich profitiert ihr von der Unterstützung, die die Trauzeugen dem Brautpaar traditionell zuteil werden lassen. Sowohl bei der Planung als auch bei der Durchführung der Hochzeit. Weiter unten mehr dazu!

Natürlich solltet ihr euch weit im Vorfeld der Hochzeit Gedanken darüber machen, wer eure Wunschkanditaten sind, und nachfragen, ob sie dieses ehrenvolle Amt übernehmen möchten. Womit wir auch schon bei der ersten entscheidenden Frage wären:

Wer soll Trauzeuge werden?

Viele Brautpaare stecken bei dieser Entscheidung in einem echten Dilemma. Schließlich möchten sie niemanden vor den Kopf stoßen – und andererseits auch niemanden in Bedrängnis bringen. Soll es die Sandkastenfreundin werden? Der beste Kumpel aus dem Studium? Oder doch besser die Schwägerin? Der kleine Bruder?

Ehe ihr vor lauter Kopfzerbrechen ganz auf Trauzeugen verzichtet, empfehle ich euch, ganz pragmatisch zu überlegen, wer für diesen Posten am besten geeignet ist. Denn eure Trauzeugen sollten euch wirklich nahestehen und euch und euren Geschmack gut kennen. Sie sollten zuverlässig und belastbar sein. Wer unter euren Freunden also z.B. rund um den Hochzeitstermin mit der Entbindung seines Babys rechnet, ist sicher nicht der geeignetste Kandidat. Auch jemand, der sehr chaotisch veranlagt ist oder ungern in größerer Runde das Wort ergreift, ist vielleicht nicht ganz der Richtige. Schließlich verlangt das Amt des Trauzeugen einiges an Organisationstalent, Kommunikationsfähigkeit und Selbstbewusstsein.

Bei kirchlichen Trauungen spielt übrigens das Alter und die Konfession der Trauzeugen keine Rolle. Für Trauzeugen bei standesamtlichen Trauungen gilt: Sie sollten volljährig sein und am Tag der Trauung einen gültigen Ausweis vorlegen können. Falls sie kein Deutsch sprechen, sollte ein Dolmetscher bestellt werden.

Sprecht eure Wunschkandidaten in aller Ruhe an und fragt sie, ob sie bereit sind, die Rolle der Trauzeugen zu übernehmen. Sagt ihnen offen, welche Vorstellungen ihr mit diesem Amt verbindet und welche Unterstützung ihr euch von euren Trauzeugen erhofft. So lassen sich Missverständnisse und Enttäuschungen leicht vermeiden.

Außerdem rate ich euch: Wenn die Entscheidung gefallen ist, macht daraus kein Geheimnis. Geht offensiv auf alle anderen zu, die sich für dieses Amt berufen gefühlt haben könnten. Informiert sie persönlich darüber, dass ihr jemand anderes als Trauzeugen gewählt habt. Erklärt, warum ihr euch so entschieden habt, damit kein böses Blut entsteht.

Welche Aufgaben haben Trauzeugen?

Die Kernaufgabe ist klar: Die Trauzeugen bezeugen mit ihrer Unterschrift auf dem Traudokument, dass sich das Brautpaar das Ja-Wort gegeben hat. Welche Beteiligung ihr euch darüber hinaus von euren Trauzeugen wünscht, solltet ihr offen mit ihnen besprechen und sehr klar vereinbaren, damit es nicht zu Streit und Ärger kommt. Ich liste euch im Folgenden mal einige Dinge auf, die Trauzeugen oft übernehmen – und dann könnt ihr selbst entscheiden, wie es euch am liebsten ist. Eure Trauzeugen sollten sich ihrerseits natürlich nicht überfrachtet fühlen – schließlich sind sie keine professionellen Wedding-Planner, sondern leisten einen ehrenamtlichen Freundschaftsdienst für euch.

 

Vor der Hochzeit
  • Organisation des Junggesellenabschieds
  • Organisation des Polterabends
  • Unterstützung bei den Vorbereitungen (… Tipps zusammentragen für die Location, die Blumendeko, Torte verkosten, Anfragen übernehmen …)
  • Beratung bei der Auswahl der Hochzeitskleidung
  • Ansprechpartner für das Brautpaar sein bei Problemen und Sorgen
  • Wunschliste des Brautpaars verwalten
  • Koordination von Beiträgen, die die Gäste zur Hochzeit leisten möchten (Spiele, Reden)
  • Organisation einer Hochzeitszeitung
  • Vorbereitung einer eigenen Überraschung
  • Aufbewahrung der Trauringe und Übergabe an den Bräutigam

 

Am Tag der Hochzeit
  • Unterstützung beim Einkleiden
  • Eine Rede halten
  • Übernahme von zeremoniellen Aufgaben (Ansprechpartner und Koordinator für Fragen und Probleme der Gäste und Dienstleister)
  • „Böse Überraschungen“ unterbinden (Spiele und Aktionen, die dem Brautpaar nicht gefallen)
  • Halten und Herrichten von Kleid und Brautstrauß
  • Das Notfall-Körbchen der Braut bereithalten (Make-up, Ersatz-Strumpfhose, Kopfschmerztabletten etc.)

 

Nach der Hochzeit
  • Die Spuren der Feier beseitigen (… Deko zurückbringen, Hochzeitsauto zurückbringen, Hochzeitskleidung reinigen lassen …)
  • Das Paar zum Flughafen bringen und nach den Flitterwochen wieder abholen
  • Die Fotos, die die Gäste auf der Hochzeit gemacht haben, sammeln und dem Brautpaar zur Verfügung stellen, z.B. als Fotobuch
  • Ansprechpartner für das Brautpaar bleiben und ihm auf seinem weiteren Lebensweg zur Seite stehen