Die Hochzeitskerze: ein alter Brauch mit tiefer Symbolik

Der Brauch, bei der Trauung eine Hochzeitskerze zu entzünden, ist uralt und wunderschön, finden wir. Er reicht zurück bis ins Mittelalter, heißt es. Das gemeinsame Entzünden eines neuen Lichts hat eine tiefe Symbolik, denn das Licht ist die Quelle allen Lebens und die ganze biblische Erzählung wäre ohne Licht nicht denkbar. So spricht Jesus beispielsweise im Johannes-Evangelium: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

Symbolik des Lichts

Auch ohne christlichen Kontext ist die metaphorische Bedeutung von Licht offenkundig:
Licht ist Leben, ist Wärme;
Licht zieht an, Menschen versammeln sich um ein Licht;
es vertreibt die Dunkelheit und mit ihr das Bedrohliche, Böse, Unberechenbare.

Licht steht aber auch für Wissen und Erkenntnis: Es verbirgt sich in der Bezeichnung „Aufklärung“ und noch deutlicher in seinem französischen Pendant, dem „siècle des lumières“ (Jahrhundert der Lichter). Ziel der Aufklärung war und ist es, die Dunkelheit der Unwissenheit mithilfe des „Lichts der Erkenntnis“ zu vertreiben.

All dies lässt sich sehr schön auf eine gelingende Ehe übertragen:
Die Liebenden sollen einander Wärme und Geborgenheit schenken;
aus der Liebe kann neues Leben entstehen;
im Lichte eines offenen Miteinanders soll kein verborgener Schatten auf der Seele der Eheleute lasten.

Eine Hochzeitskerze trägt all dies symbolisch in sich. Und das besonders Schöne ist: Sie kann das Ehepaar nach der Hochzeit noch über viele, viele Jahre begleiten und zu besonderen Anlässen erneut entzündet werden. Beispielsweise am sich jährenden Hochzeitstag oder auch in schweren Zeiten, wenn Konflikte, Krisen oder Krankheiten das Miteinander belasten: Dann kann die Kerze mit ihrem Licht die Eheleute an das Versprechen, das sie sich einst gaben, erinnern, Zuversicht spenden und sie einander wieder näher bringen.

Gestaltung der Hochzeitskerze

Traditionell wird die Hochzeitskerze mit den Vornamen des Brautpaars verziert. Dazu kommt in der Regel noch das Datum der Hochzeit und ein bildliches Symbol, etwa zwei ineianander verschlungene Ringe, ein Herz oder Ähnliches. Aber da sind der Fantasie natürlich keine Grenzen gesetzt. Ihr könnt die Kerze in einem Workshop oder zu Hause selbst gestalten oder aber in Auftrag geben.

Die Kerze als Teil der Trauungszeremonie

Wie ihr die Kerze in die Trauungszeremonie einbaut, besprecht ihr am besten mit dem Pfarrer oder Pastor bzw. dem freien Prediger. In der Kirche ist es in der Regel der Pastor bzw. Pfarrer, der dir Kerze an der Osterkerze auf dem Altar entzündet und sie auch segnet. Bei der freien Trauung könnt ihr die Kerze gemeinsam sebst entzünden.

Kerzen für eure Gäste

Eine sehr schöne, tiefgründige Geste ist es, wenn ihr vor der Trauungszeremonie kleine Kerzen an eure Gäste verteilt, die vielleicht sogar genauso wie eure Kerze gestaltet sind. So könnt ihr nach eurem Ehegelöbnis das „Licht eurer Liebe“ an eure Gäste weiterreichen. Und später können eure Gäste die Kerzlein sozusagen als Teil von euch mit nach Hause nehmen und beim Entzünden an euch denken.