Polterabend: Lärmen fürs Liebesglück

In den letzten Jahren sind diverse Bräuche rund ums Heiraten aus den USA zu uns nach Deutschland herübergeschwappt und machen den hiesigen Traditionen Konkurrenz. So hört man zum Beispiel unserem Eindruck nach immer seltener von Paaren, die einen Polterabend feiern. Ein uralter Brauch, der schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts schriftlich bezeugt wurde und mutmaßlich noch viel älter ist.

Tradition mit Symbolwert

Traditionell wurde am Vorabend der Hochzeit gepoltert. Es kam, wer kommen wollte, und die Gäste brachten ausrangiertes Geschirr mit, das sie vor dem Haus der Brauteltern geräuschvoll zerschlugen. Die Aufgabe des Brautpaares bestand darin, die Scherben aufzufegen.

Wie bei den meisten anderen Hochzeitsbräuchen auch steckt diese Tradition voller Symbolik: „Scherben bringen Glück“, sagt ein altes Sprichwort. Der Lärm, der beim Zerschlagen des Porzellans entsteht, vertreibt dem Aberglauben zufolge böse Geistern. Und das gemeinsame Auffegen steht symbolisch für die Herausforderungen, die das Paar in seinem Eheleben gemeinsam zu bewältigen haben wird.

Polterabend heute

Wir finden, es lohnt sich, diesen alten Brauch lebendig zu halten, denn ein Polterabend ist eine schöne Gelegenheit für eine ausgelassene Feier, die einfach Spaß macht und nebenbei einige Vorteile bietet. Zum Beispiel für diejenigen unter euch, die einen sehr großen Bekanntenkreis haben und nicht alle zu ihrer eigentlichen Hochzeitsfeier einladen können. Wer in verschiedenen Vereinen aktiv ist oder in einem großen Betrieb arbeitet, kennt viele Leute, denen er sich verbunden fühlt. Alle zur Hochzeit einzuladen, würde bei vielen den Kostenrahmen sprengen. In diesem Fall ist ein Polterabend die perfekte Gelegenheit, bei überschaubaren Kosten mit allen zu feiern.

Traditionell wird der Polterabend wie schon erwähnt am Vorabend der Hochzeit gefeiert – aber mit den Traditionen muss man es ja nicht ganz so genau nehmen, finden wir. Wer möchte schon verkatert und unausgeschlafen vor den Altar treten? Unser Tipp daher: lieber eine Woche (oder zwei oder drei) vor der Hochzeit poltern. So könnt ihr am Abend vor der Hochzeit früh schlafen gehen und – ein weiterer Vorteil – habt deutlich mehr Luft für die Organisation der beiden Anlässe.

Eine geeignete Location für den Polterabend zu finden, könnte – je nachdem, wo ihr wohnt – etwas schwieriger werden: Wer auf dem Land und/oder im eigenen Haus wohnt, wird vielleicht genug Platz haben für die Scherbenorgie. Aber als Mieter einer Etagenwohnung mitten in der Stadt? Da sieht die Sache schon anders aus. Vielleicht habt ihr Glück und findet eine Location, die ihr für diesen Anlass mieten könnt. Viele Vermieter weigern sich allerdings wegen des Lärms und des meist großen Reinigungsaufwands, einen Polterabend auszurichten.

Alternative zum Polterabend

Falls ihr euch mit dieser Schwierigkeit konfrontiert seht, aber nicht auf einen Polterabend verzichten möchtet, gebt ihm einfach einen anderen Namen und feiert eine „Pre-Wedding-Party“ ohne Scherben. Kern der Sache ist schließlich eine feuchtfröhliche Feier ohne Dresscode und mit bodenständiger Beköstigung. Gern mit witzigen Spielen und Späßen.

Hier noch ein paar praktische Tipps:

  • Getränke werdet ihr natürlich reichlich benötigen. Am besten kauft ihr sie auf Kommission: Dann könnt ihr ungeöffnete und unbeschädigte Flaschen und Fässer nach der Feier wieder zurückgeben und bekommt das Geld ausgezahlt.
  • Viele Getränkehändler verleihen auch Bierzeltgarnituren, Zapfanlagen und Bierkühler.
  • Auf dem Büffet erwartet bei einem Polterabend niemand Feinkost. Ihr könnt bei einem Catering-Service zum Beispiel eine Gulaschkanone oder ein Spanferkel bestellen. Oder ihr bittet Freunde, einen Beitrag zum Büffet zu leisten, sodass genügend Salate, Kuchen und Nachspeisen zusammen kommen.

Wir wünschen euch viel Spaß beim Feiern!